Nützliche Invasoren

Als Neobiota bzw. Neophyten bezeichnet man Arten und untergeordnete Taxa, die sich in einem Gebiet etabliert haben, in dem sie zuvor nicht heimisch waren. All zu gerne wird in diesem Zusammenhang der Begriff „invasiv“ verwendet, als ob es sich bei diesen Pflanzen als feindliche Eindringlinge handeln würde, die es nun mit aller Kraft zu bekämpfen gilt. Manche Menschen haben es in der Tat auf diese vermeintlich invasiven Pflanzen abgesehen und setzen alles daran sie hierzulande auszurotten. Dabei wird eine Feindseligkeit zu Tage getragen, die ich in keiner Weise verstehen kann, vor allem weil sowieso meistens der Mensch der Grund dafür war, dass so manche fremde Pflanze inzwischen auch hier zu Hause ist.
Anstatt etwas zu bekämpfen, ist es doch viel besser etwas zu nutzen. Hier einige Beispiele, wie wertvoll die vermeintlichen Invasoren sein können.

Japanischer Staudenknöterich
Der japanische Staudenknöterich ist eine hervorragende Bienenweide und seine Samen220px-fallopia_japonica1 dienen manchen Vogelarten als Futter. Seine Stängel mit Hohlkammern eignen sich nicht nur gut zum Basteln und zum Flötenbau, im Survival-Bereich werden sie zum transportieren und abkochen von Wasser verwendet. Inzwischen verwendet man sie sogar zur Herstellung von Möbel und Altagsgegenständen. Des weiteren liefert diese Pflanze eine große Menge Biomasse.
Die jungen Triebe sind essbar und können wie Rhabarber und Spargel zubereitet oder auch roh verzehrt werden. Die Pflanze enthält in allen Teilen den sekundären Pflanzenstoff trans-Resveratrol (ein ähnlicher Wirkstoff wie OPC), dem ein hoher therapeutischer Nutzen nachgesagt wird, wie z.B. bei: Arteriosklerose, Herzkrankheiten, Alzheimer-Krankheit, Arthritis, Krebs und Autoimmunerkrankungen

Indisches Springkraut
Das indische Springkraut blüht zu einer Zeit, wo kaum noch andere Pflanzen blühen und 220px-impatiens_glandulifera_-_plants_28aka29
stellt deswegen eine wichtige Futterquelle für Bienen und andere Insekten dar.
Stellenweise nimmt es wirklich stark überhand, doch meine Erfahrung zeigt, dass sich der Bestand über einige Jahre hinweg von selbst reguliert.
Die Samen des Springkrauts schmecken köstlich und werden sicherlich auch von vielen Tieren gerne verzehrt. Die Blüten können zu Gelee oder Parfait verarbeitet werden und aus den Blättern lässt sich, wenn auch nur in geringen Mengen, ein Farbstoff gewinnen, der bei der Erzeugung von Henna zum Einsatz kommt. In der Naturheilkunde wird es als Brechmittel oder als harntreibender Tee verwendet. Darüber hinaus liefert das Springkraut viel Biomasse.
Das indische Springkraut hat sich sogar als eine der wichtigsten Nahrungsquellen für den mittleren Weinschwärmer etabliert. Das ist ein selten gewordener Nachtfalter, dessen Bestände sich dank des neuen Nahrungsangebots wieder etwas vergrößert haben. Mehr dazu auf wildkrautgarten.de

Auch wenn es oftmals so scheint, als würden eingeschleppte Spezies das heimische Gleichgewicht stören oder sogar heimische Arten verdrängen, kann man zunächst einfach mal gelassen damit umgehen.
Viele heimische Pflanzen sind nicht schon immer hier heimisch, wie z.B. alle Arten die vor 1492 eingeführt wurden und schon oft haben sich eingeschleppte Arten als wahre Bereicherung erwiesen. Zugegeben ist das nicht immer so, doch so lange der Mensch in der Natur herumpfuscht ist es umso geistesgestörter, wenn er dann seine Fehler mit Gewalt und Ausrottung auszubügeln versucht. Das bereits Geschehene kann man nur annehmen und aus ihm das Beste machen.

In diesem Sinne:
Alle Pflanzen dürfen geliebt werden!

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